Page 4 - Weinturm Open Air 2007
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Wir werden auch weiterhin dem Zeitgeist so
gut es geht die Zunge blecken. Wir werden
auch weiterhin Stellung beziehen und
an die Vernunft appellieren. Wir wollen
keine Werbung an der Bühne, wir
verkaufen keinen Schnaps und wir
wählen die Musik noch selbst aus.
Wir glauben an das Gute im Weinturm. An
die Menschen, die sich friedlich, freund-
1988 schaftlich und mit Respekt begegnen, die
ausgelassen miteinander feiern, denen
dabei die gegenseitige Rücksicht auf dem
Zeltplatz etwas mehr bedeutet als der eigene ganz und gar egoistische Fun.
Menschen, die sich am nächsten Morgen noch erinnern können wollen, zu
welcher Band sie am Abend vorher begeistert abzappeln mussten. Wir wissen,
dass solche an die Gäste gerichteten Worte mindestens ungewöhnlich sind für
einen Veranstalter, der ja schließlich auf Besucher angewiesen ist. Die Idee
des Weinturmfestivals wiederum ist aber auch angewiesen auf Gäste, die diese
Idee verstehen und sie nicht gefährden.
Doch zurück zum Rückblick auf die Ge-
schichte: Nach der Premiere 1977 fiel die
Neuauflage ein Jahr später gleich mal aus.
Doch seitdem stieg die Fete regelmäßig,
zunächst nur einen Tag lang, später zwei,
schließlich ein ganzes Wochenende.
Rasch sprach sich auch weit über die
Grenzen der Kurstadt herum, dass sich
eine Reise nach Bad Windsheim lohnt und
Anfang der 90er Jahre erreichte die Ver-
anstaltung nach Besucherzahlen mit rund
3500 Gästen an einem Samstag ihren 1992
Höhepunkt.
Wir sind froh, diesem Massenansturm heute nicht mehr Herr werden zu müssen
– der ehrenamtlichen Organisation sind einfach Grenzen gesetzt. Nicht missen
wollen wir allerdings die Erinnerungen an Highlights, Sternstunden
und Unvergessenes der vergangenen 30 Jahre:
Rein subjektive Erinnerungen natürlich, zum Beispiel an den Schweizer Charme
von Patent Ochsner, an den Anti-Regentanz von Sambuco, an Hubert von
Goisern und seine Alpinkatzen, an die umstrittenen Mia, Heiter bis Wolkig oder
Subway to Sally, an die Sportfreunde vor dem großen Durchbruch, an die
zauberhaften Cultured Pearls und Moneybrother, an die Kleine Tiershow, an
das Staubkonzertspektakel von Panteón Rococó, an das Feuerwerk zum 25.,
an Hattlers Tab Two oder an die sensationellen Juke aus Liverpool.
Ebenfalls schon Erinnerungen sind der Altvorderen Erzählungen von Flatsch,
den nackten Chaotic Strings, Uli und seinem Crepes-Waggon, der Bosch-Band
mit zwölfköpfigem Gebläse, den Berliner Ele-
fanten oder Georg Ringsgwandls skurrilem
ersten Auftritt.
Es gab Regenfestivals (mit Menschen in
Müllsäcken, Schlamm-Monstern auf Park-
plätzen, mit pudelgroßen Egerlingen im
Rindenmulchsalat und munter sprudelnden
Hydranten) und es gab Hitzefestivals (mit
Menschen unter nassen Handtüchern,
Wasser werfenden Feuerwehren und leer-
1992 gefegten Nachmittagen vor warmen und
langen Sommernächten).
Wie es heuer wird? Wer weiß! Wir schlagen auf das
30. Kapitel. Unsere musikalischen Gäste sind zahlreich und erlesen, alt
bekannt oder neu zu entdecken. Den Wiederholungstätern Busters, Slut, Broken
Beats und Sorgente stehen Neulinge wie Karamelo Santo, Jahcoustix, Polarkreis
18 oder die Kultband Tito & Tarantula gegenüber. „Indie meets Latin“ möchte
man angesichts des Aufgebots beinahe sagen. Auf alle Fälle aber standesgemäß
für einen runden Geburtstag. Wir freuen uns auf euren Besuch!
P.S.: Auf Grund von Auflagen des Landratsamtes dürft ihr eure Zelte frühestens am Freitag
aufschlagen. An dieser Stelle weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass größere
Getränkemengen, die auf das Festivalgelände mitgebracht werden, nicht akzeptiert
werden. Gegen zwei, drei Flaschen zum Durstlöschen ist freilich nichts einzuwenden.
Alles, was darüber hinausgeht, muss draußen bleiben. Wir sind auf unseren
Getränkeverkauf angewiesen, denn allein die Einnahmen daraus und die Erlöse aus
den Eintrittskarten finanzieren das Festival. Wir garantieren im Gegenzug auch weiterhin
faire Getränkepreise.

